Business as usual: Auch im Jahr 2025 war ich wieder in Berlin auf der Call Center World. Pflege von Geschäftskundenbeziehungen, neue Dienstleistungen und Produkte kennenlernen als auch neue Kontakte knüpfen. Und dabei fiel mir 2025 auf: Es war noch nie so langweilig auf der Messe, wie in diesem Jahr, denn die Inhalte waren eigentlich identisch mit 2024. Alles kann plötzlich KI.
Künstliche Intelligenz als Selling Point
Nun gut, um fair zu bleiben ist KI ja mindestens seit OpenAIs ChatGPT in aller Munde – aber genau genommen ist das auch so ein Grund, weshalb die angebotenen Leistungen an den verschiedenen Messeständen so geheuchelt sind. Denn sind wir mal ehrlich: Mit Machine Learning arbeiten wir alle doch schon seit Jahren, weit vor ChatGPT – und wenn es nur die App-Prediction oder Suche nach Gegenständen in Bildern auf dem Smartphone ist. Auch das ist eben eine Form der künstlichen Intelligenz. Nur wird heute jede Kleinigkeit schon als KI betitelt, wo es zuvor gar nicht nötig war. Warum? Das Schlagwort verkauft sich einfach aktuell ungeheuer gut!
Dabei kommt es selten zu ernsthaften Innovationen. Inzwischen bietet jeder in seinen Programmen intelligente Chatbots an. Lustig zu erwähnen, dass viele davon auch einfach nur eine ChatGPT Anbindung sind und gar kein eigenes LLM dahinter steht. Ich will es ja eigentlich gar nicht schlecht reden, ich mag technologischen Fortschritt ja und find es auch super, dass wir uns tatsächlich gerade in einem AI-Umbruch befinden (und wenn dann mal AGI da ist, dann fliegt uns hier alles um die Ohren :D). Aber Leute, bitte… verkauft mir nicht eine noch so simple if-else Abfrage als die absolut einzigartige künstliche Intelligenz, die sie nicht ist. Oder: Verkauft mir nicht plötzlich besondere KI-Funktionen, die eure Produkte schon seit Jahren implementiert haben. Dieses KI-Wischi-Waschi ging mir 2024 schon auf den Nerv, aber dieses Jahr einfach die selbe Geschichten zu erzählen ist wirklich super unkreativ.
Es gibt aber auch Ausnahmen! Ich will da gar nicht alle über einen Kamm scheren, denn so manche Jungs und Mädels hatten ein paar clevere Ideen in Petto! Aber diese tollen und innovativen Ideen waren einfach rar und wurden kaum wahrgenommen, und gingen in der Masse der Mainstream-KI-Anwendungen unter. Schade.
Noch eine Frage am Rande, abseits der künstlichen Intelligenzen: Was soll das eigentlich, dass man inzwischen in der App sehen kann, wer alles zur Messe angemeldet ist? Mein Xing und LinkedIn sind explodiert vor Terminanfragen und überall laß ich: „Ich habe gesehen dass Sie auch auf der CCW angemeldet sind, wann wollen wir uns Treffen?“. Das war ja eine Katastrophe und für mich eines der größten Lowlights der CCW App 2025. Da war das CCW-Erlebnis schon vor Antritt getrübt.
Verpflegung auf der Messe: Schlecht wie immer!
Die diesjährige Messe hatte aber auch was gutes: Ganz entspannte 30.000 Schritte am Tag ohne es wirklich gemerkt zu haben. Das war es dann aber auch. Keine interessanten Inhalte, nichts wirklich neues, überwiegend standen sogar die Aussteller auf ihren Vorjahresplätzen. Bleibt praktisch nur noch die Verpflegung die es irgendwie hätte rausreißen können, aber auch hier hat sich nichts verändert, nein, sie ist sogar schlechter geworden. Tatsächlich zahlt man hier für einen halben Wrap plötzlich 6,50 Euro plus Coke Zero für 3 Euro, mit 50 Cent Trinkgeld macht das dann direkt einen Zehner. Klar, Messepreise. Verstanden und geschenkt. Teurer wurde es nur, wenn man sich für ein Chili Con Carne oder eine Pasta entschieden hat. Da katapultierte der Mini-Teller die Rechnung unmittelbar in den zweistelligen Bereich – Und das bei sehr eng begrenzter Sitzmöglichkeiten. Es gab zwar Stehtische, aber auch diese waren nicht so zahlreich vorhanden, wie man meinen sollte. Ausgenommen ist hier natürlich der Kongress, wo es auch separate Essensmöglichkeiten gab, welche durchaus annehmbar waren, aber wer an einem weiteren Messetag oder gänzlich ohne Kongress auskommen musste, der stand mit seinem Suppenteller wie verloren im Gang und wartete bis sich irgendwo ein Plätzchen lüftete.
Da fällt mir ein, in der Lobby gab es an den Kassen ein „Upgrade“ der Kartenterminals. Wer mit Karte zahlen wollte, den lachten neben der Überschrift „Trinkgeld“ noch vier Buttons mit den Aufschriften „10%“; „20%“, „25%“ und „30%“ an. USA Manieren in Reinform. Naja nicht ganz, es gab die Option Trinkgeld auch gänzlich abzulehnen, allerdings ist dieser Button unterhalb der Trinkgeld Buttons und man muss zunächst scrollen um den Button zu finden. Etwas, das ich auf einem Kartenleseterminal nicht erwarten würde und ich auch nur sah, weil mein geistiges Ich verwirrt versuchte den Screen loszuwerden. Spannend. Dafür gibts hier für 4 Euro eine kalte Cola… 0,2L versteht sich.
Berlin… Wer´s mag…
Da ich beruflich auf der CCW war, kamen die schöneren Momente nach der Messe, denn mit den Kollegen in verschiedene Etablissements einzukehren hat definitiv einen Mehrwert, den die diesjährige CCW vermissen lies. Ob beim Mexikaner, Asiaten oder in einer Arcade Halle auf dem Alexanderplatz: Alles war spannender als die Messe und das obwohl in Berlin die Restaurants grundsätzlich zu eng sind. Das liegt sicher am Großstadt-Dasein, aber wohl fühlt man sich dabei nicht. Ich jedenfalls nicht. Es fühlt sich immer so nach Massenabfertigung an, was es ja grundsätzlich auch ist, aber lass es die Menschen doch nicht so spüren.
Der Verkehr in so einer Großstadt ist ja auch so eine Sache für sich. Mit dem Auto war ich selbst Teil des Problems, ich kann es vor mir selbst aber rechtfertigen: Günstigste und schnellste Option! Trotzdem fahr ich jedes Jahr aufs neue ungern mit dem Auto Berlin rein. Der Verkehr ist nicht nur unsagbar langsam, sondern auch die Berliner sind ungeheuer „Freundlich“. Während auf dem Boden der Straßenmeister beim bemalen der Fahrbahnmarkierung offenkundig einen Schlaganfall erlitten haben muss, und du als Fremdling in dieser Stadt dich erst mal orientieren willst, wirst du direkt von zwei Seiten angehupt. Und ich spreche davon, dass ich nur langsam abgebogen bin – ich stand nicht mal wirklich. Eine echte Zäsur.
Normalerweise wähle ich immer ein Hotel nah an der Messe aus, da diesmal meine Kollegen aber in der Mehrzahl dagegen waren, schloß ich mich an. Warum waren sie dagegen? Sie wollten ein Hotel auf dem Alexanderplatz um ein wenig Unterhaltungsmöglichkeiten zu haben und weil alle mit dem Zug anreisten, und dort sich der Bahnhof befindet war es doppelt gut für die Herren. Ich wählte das Radisson… bzw. das Park Inn by Radisson. Ich muss gestehen: Die Sky View Zimmer haben was. Es ist zwar etwas teuerer, aber wer dieses Hotel bucht, dem kann ich solch eine Suite wärmstens ans Herz legen. Ich hab mich für eine Sky Ecksuite entschieden, so hatte ich von zwei Seiten ganz Berlin im Blick. Das sieht nicht nur Abends sehr beeindruckend aus. Allerdings hat das ganze auch einen Wermutstropfen: Der Eingang zum Hotel, ist ebenfalls Eingang zu anderen Geschäften wie bspw. einem Burger King. Abends um 1 Uhr über den Alexanderplatz zu laufen ist schon irgendwie seltsam, und wenn du dann ins Hotel gehst und erst mal über Junkies steigen musst, fühlst du dich direkt wie in Frankfurt. So gar nicht Radisson-Like. Übrigens: Ein Kino ist nur 2 Minuten Fußweg vom Hotel entfernt, die Arcade Halle ebenfalls und ein leckerer Mexikaner findet sich direkt zwischen dem Arcade und dem Kino. Bombe!



Berlin ist sicher größer als all das, aber in Summe hab ich irgendwie das Großstadtfeeling verloren und der Flair der mich einst beeindruckte, schreckt mich heute nur noch ab. Ich werde alt. Das Leben auf dem Land ist nicht nur deutlich sozialer, sondern auch ruhiger und verständnisvoller. Kurz: Einfach toller!
Nächstes Jahr werde ich die CCW in jedem Fall ausfallen lassen, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass es irgendwie tolle Neuigkeiten geben wird. Und außerdem brauch ich mehr Abstand zu Berlin. Dringend. Also dann: Bis 2027… vielleicht auch 2028. Wer weiß.
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