Erinnert ihr euch noch wie es war, als wir zwar alle wussten dass die USA uns ausspioniert aber wir uns trotzdem weitestgehend als Freunde verhalten haben? Nun, ich erinnere mich nur noch vage daran, da mit dem Präsidenten Donald J. Trump sich alles irgendwie anders anfühlt. Schon mit Beginn seiner zweiten Amtszeit entstanden europäische Bewegungen um die Abhängigkeit zur USA zu verringern und das nicht nur in der digitalen Welt – Aber – genau hier sitzt der eigentliche Schmerz, wenn man versucht sich von US-Produkten zu lösen. Um fair zu sein: Die Lieferketten greifen so eng ineinander dass es nur schwer möglich ist wirklich USA-frei zu leben, denn selbst wenn du dir ein Auto eines deutschen Herstellers kaufen möchtest, wird irgendein Bauteil schon amerikanisch bzw. aus den USA sein. Auch wenn wir Europäer ein Quasi-Monopol auf hochpräzise EUV-Lithographiegeräte haben, welche die heutigen hochleistungsfähigen Computerchips von Intel, AMD oder Nvidia erst ermöglichen, so ist es doch so dass eben all diese Chiphersteller US-Unternehmen sind. In meiner Traumwelt, werden die Briten mit ihrer ARM Architektur den Grundstein legen und die krassesten ARM Chips werden von Infineon produziert… hach ja… Träumen darf man ja.
Wie dem auch sei… Um die Hardware muss sich der Markt und maximal die Politik kümmern, wir aber können uns um die Software kümmern! Vielleicht hängst du auch noch auf Windows 10 fest und kannst nicht auf Windows 11 Updaten – magst aber dennoch Sicherheitsupdates bekommen. Ganz egal, willst du weg von einem US Amerikanischen Betriebssystem auf ein europäisches Betriebssystem wechseln, dann ist das heute einfacher denn je. Wie das gehen soll? Nun.. Linux ist die Antwort!
Was? Linux? Das ist nur was für Nerds!
Linux hat ja seit eh und je den Ruf, nur für „Kellerkinder“ zu sein und ehrlich gesagt, war das lange Zeit auch irgendwie so. Aber das hat sich schon seit einer ganzen Weile geändert und mittlerweile sind viele Distributionen weitaus featurereicher als Windows oder macOS. Distributionen sind übrigens so etwas wie… ich nenne es mal „Ableger“. Du kannst es dir vorstellen, wie Supermärkte: In allen bekommst du Lebensmittel, aber egal ob Edeka, Rewe, Lidl, Netto, Kaufland, Aldi… alle sind etwas anders – von der Produktauswahl, vom Einkaufserlebnis, vom Kassiervorgang… ihr wisst was ich meine. Unterm Strich kann jedes Linux auch alles was ihr wollt, manche sind einfach besser auf einige Themenbereiche von Haus aus zugeschnitten – und ich will euch drei Distributionen im Kurzportrait vorstellen, mit welcher euch der Wechsel gelingt!
Der Bekannte: Ubuntu (Groß-Britannien)
Wer in den vergangenen 15 Jahren mal nach einer Linux Distribution gesucht hat, der kam um Ubuntu nicht drum herum. Canonical, ansässig in Groß-Britannien und damit europäisch, hat sich auf die Fahne geschrieben, ein Linux für „jedermann“ zu zaubern und nach all den vielen Jahren, ist es ihnen auch gelungen. Was Ubuntu aus macht, ist die Einfachheit und das es mit den wichtigsten Tools daher kommt, welche man für den täglich Einsatz so braucht. Zeitgleich bietet Ubuntu einen hübschen App Store und macht es so einfach, nach neuer Software zu suchen und diese zu installieren. Spannend ist vielleicht noch zu erwähnen, dass Ubuntu auf der Distribution Debian basiert – Und Debian ist dafür bekannt „Rock-Solid“ zu sein, das bedeutet, bei Debian arbeitest du mit fertig gepatchter Software und bist so gar nicht auf dem neusten Stand… also wirklich, so ganz und gar nicht – aber dafür ist es eben „Rock-Solid“. Ubuntu geht hier einen Schritt weiter, verfolgt zwar die selbe Philosophie bietet aber aktuellere Software, wenn auch selten die aktuellsten Pakete. Ubuntu empfehle ich daher jedem Einsteiger, jedem der kein Crack ist und einfach nur mit seinem Computer arbeiten möchte.
Vielleicht noch wichtig zu erwähnen: Ubuntu kommt in mehreren „Flavours“. Man könnte sagen, es kommt mit verschiedenen Oberflächen und angepasster Software. Ubuntu nutzt Gnome als Oberfläche, dass erinnert eher an Apple macOS. Es gibt jedoch z.B. auch Kubuntu, welches KDE/Plasma als Oberfläche verwendet, das erinnert eher an Microsoft Windows. Mit Xubuntu oder Lubuntu gibt es auch Flavours, welche eher für alte, schwache Hardware gedacht ist – dafür bekommt man ein wenig Windows 2000 Flair. Es gibt noch unzählige Varianten – aber du solltest dich zwischen einen der drei entscheiden: Ubuntu, Kubuntu oder Xubuntu.
Der Gamer: CachyOS (Deutschland)
Als Valve mit dem Steam Deck den Markt überrumpelte, schafften sie nicht nur tolle Absätze für ihr Gerät, sondern sorgten auch für einen enormen Schub für Gaming unter Linux. Was damals nahezu undenkbar war, ist heute oftmals problemlos möglich. CachyOS kommt aus Deutschland – Wer also nicht nur europäisch unterwegs sein möchte, sondern ein deutsches Betriebssystem auf seinem Computer haben will UND auch noch Gamer ist, der ist mit CachyOS gut beraten, denn es ist maximal auf Gaming optimiert. Es basiert auf Arch Linux – und wäre eigentlich eher etwas für Kenner. Arch zeichnet aus, dass es als minimales Setup daher kommt und sich dann auf die jeweils eigene Maschine sehr weit optimieren und einrichten lässt. Das macht es am Ende unglaublich performant. CachyOS kommt mit der KDE Oberfläche und mit der Option Gaming „Runtimes“ mit einem Klick zu installieren. Steam, Epic, EA App… alles kein Problem. Ich selbst nutze CachyOS auf meinem Gaming PC! Mass Effect Legendary Edition, Tomb Raider, XCOM 2, Counter Strike 2, Cyberpunk… alles kein Problem. In Cyberpunk habe ich im Durchschnitt sogar mehr FPS als noch unter Windows und das trotz Emulationslayer!
Wer also das Betriebssystem europäisch machen möchte, aber auf das Gaming nicht verzichten kann, der ist bei CachyOS richtig!
Der Haudegen: openSUSE (Deutschland)
Wer vor Ubuntu versuchte in die Welt von Linux zu schnüffeln, der stolperte meistens über SUSE. Ich hatte damals die Installations-CDs (sechs an der Zahl) für SUSE 6.4 und mein Gott war das wildes Zeug, aber es war mein Einstieg in die Linux Welt nach Windows 98. Damit wurde der Grundstein gelegt, dass ich kein Microsoft-Anhänger werden sollte – zwar lief auch bei mir Windows 2000 und XP doch dann kam die Zeit als ich über Mac OS X fiel – Schickes Design, professionelle Software aber im Kern ein Unix. Da konnte man ja nur schwach werden. 🙂
Aber zurück zu SUSE… SUSE steht für „Software- und Systementwicklung“ und kommt aus dem hübschen Nürnberg hier in good old Germany. SUSE war kommerziell doch entwickelte sich daraus ein offener Ableger, eben openSUSE. Als Oberfläche kommt hier KDE zum Einsatz – was passend ist, da KDE ebenfalls aus Deutschland stammt. Wer also nach langjähriger deutscher Betriebssystemsoftware sucht, der ist bei openSUSE definitiv richtig! Beim Download kannst du dich für zwei Versionen entscheiden: „LEAP“ und „Tumbleweed“. Leap ist ein normales Release, welches in Zyklen auch mal größere Updates bekommt. Tumbleweed hingegen ist ein Rolling-Release – die Software ist also „Bleeding Edge“. Hier seit ihr immer Up-2-Date und ganz vorne mit dabei. Aber Achtung: Manchmal ist die Software auch so neu, dass Fehler noch nicht gefunden worden sind. Ich hatte einige Zeit Tumbleweed im Einsatz und musste es gefühlt alle sechs Wochen reparieren. Wer also kein Bastler ist und sich mit Linux nicht gut auskennt, dem lege ich „Leap“ ans Herz.
Abschluss
Eigentlich ist ein Wechsel gar nicht schwer und am Ende auch völlig egal für welches Linux du dich entscheidest, denn es ist eigentlich keine entweder-oder Frage. Steam bekommst du auf Ubuntu und openSUSE ebenfalls installiert, wenn du Bock hast zimmerst du dir auch eine Gnome Oberfläche in openSUSE. Du kannst alles machen und es gibt keine Fesseln. Zeitgleich ist es der erste Schritt weg von US Software und nein, du brauchst auch wirklich nicht denken, dass Linux irgendwie minderwertig wäre. Googles Android ist eigentlich auch nur ein Linux und hältst du das für minderwertig? 😉
Also… Pack dir einen Stick, erstell dir ein Installationsmedium und ab gehts!



Kommentare