Mit einer Schneidemaschine fing alles an – mein erstes Shirt und mir war sofort klar „Damit lässt sich Geld verdienen!“. Und während ich zu Beginn viel probiert und investiert habe um für mich das richtige und wirtschaftliche Drucksystem zu finden, denke ich jetzt verstärkt über Vertriebskanäle nach. Ja ich weiß, vor Ewigkeiten habe ich schon gesagt „Bald starte ich mit einem eigenen Online Shop“ und ja, die Infrastruktur ist seit über einem Jahr auch bereits angemietet, doch ich finde keine freie Zeit um mich darum zu kümmern, weshalb ich zur Zeit noch verstärkt in die bekannten Kanäle investiere. Während Amazon ein riesiger Marktplatz ist, wo dir unendlich viele Kunden den ganzen Tag um deine Produkte schwirren, wollte ich Etsy ausprobieren. Etsy… der Marktplatz für Kreative wo du viele „Handmade“ Dinge finden kannst, auch wenn er immer mehr durch automatisierte POD-Dienste überschwemmt wird. Nichtsdestotrotz wollte ich es probieren, denn immerhin werden meine Produkte nicht von großen Firmen automatisiert hergestellt und versendet, ich drucke selbst… von Hand. Und jedes einzelne Produkt packe ich selbst ein, also müsste Etsy ja genau der richtige Marktplatz für mich sein.
Ein Shirt… ein Anfang
Der Nachteil gegenüber einem eigenen Online Shop, sind die Gebühren. Etsy möchte 20 Cent dafür, dass du ein Produkt überhaupt einstellst. Beim Verkauf, wollen sie dann auch noch eine Verkaufsprovision und wenn am Ende beim Check-Out über Etsy bezahlt wird, auch noch eine Gebühr für deren Bezahlsystem (Was witzig ist, da ich gar nicht die Option habe ein eigenes Bezahlsystem zu hinterlegen). Man bedient sich also mit einem ordentlichen Stück am Verkaufspreis, was Kreative dazu veranlasst, die Preise etwas höher anzusetzen um den Gebühren ein Stück weit entgegenzuwirken.
Aber andererseits erhält man Zugang zu einem großen Marktplatz, denn der eigene Online-Shop will massiv beworben werden, ehe dort jemand einkauft. Klar, auch auf Drittplattformen musst du werben, doch ist die Infrastruktur bereits da und das Vertrauen in die Plattform hilft dir, Umsätze zu generieren. Denn nur weil man deinen Shop gefunden hat, kauft ja nicht direkt jeder… vor allem nicht, wenn man dich nicht kennt oder du keine Bewertungen hast – weil wir alle wissen: Das Internet ist ein gefährlicher Ort. Scammer warten überall. Umso schöner, wenn du dich als Endkunde dann auf einer Plattform bewegen kannst, welche Sicherheitsmechanismen mit sich bringt.
Mit einem einzigen T-Shirt startete ich auf Etsy. Der Account war schon vor Ewigkeiten gemacht und im vergangenen Jahr habe ich mal 1-2 Tassen versucht zu verkaufen, mit mäßigem Erfolg. Ich nahm die Artikel wieder offline und sagte mir:“Beim nächsten Etsy Start, beschäftigst du dich erst mal mit Etsy“, denn eigentlich wusste ich nicht, wie ich das Ranking beeinflussen konnte, wie ich Werbung buchen konnte und was Etsy Kunden gerne sehen und lesen möchten. Nachdem ich einige Leitfäden gewälzt habe, um Artikelbilder und Artikelbeschreibungen Etsy-SEO-relvant zu erstellen, ging ich ans Werk und bot mein Shirt an. Es dauerte ziemlich genau 12 Stunden bis zum ersten Verkauf… und dann ging es los.
Ich startete am 02. September mit einem Shirt, ohne Personalisierungsoption und ohne Varianten (nur eine Shirt Farbe, ein unveränderbares Motiv). Eigentlich ein Etsy Killer, aber irgendwie haben das die Kunden wohl nicht so gesehen. Jeden Tag trudelten einige Verkäufe ein und als dann der erste Sonntag vor der Tür stand, kam ich ganz schön ins Schwitzen. Am Mittag kamen plötzlich mehrere Bestellungen pro Stunde und ich hatte gar nicht mehr genügend Material im Haus. Die Shirts waren leer, die Farbe neigte sich dem Ende, dann riss ein Sieb… und ohne Sieb, kein Druck. Neues Sieb erstellt (da geht immer ein Tag drauf) und nach wenigen Tagen löste sich die Emulsion – das Sieb also gewaschen, entfettet und wieder zum Belichten vorbereitet. Kaum war das Sieb fertig, rutschte es mir aus der Hand, fiel auf den Tisch auf einen spitzen Gegenstand aus Metall… und Riss. Für das Motiv brauchte ich mind. ein 90T Gewebe, A3+ Format. Davon hatte ich nun keines mehr, also erst mal zwei neue bestellt. Das warf mich zurück, denn die Bestellungen nahmen kein Ende. Ich hatte Momente, da habe ich Shirts bestellt, in der Mengenhöhe: Aktuelle Bestellungen plus Zehn Stück, weil ich dachte „Gut, das flacht jetzt wieder ab…“. Per Express Versand am nächsten Tag liefern lassen, doch bevor die Shirts überhaupt da waren, musste ich schon die nächste Bestellung aufgeben. Irgendwann im September war es sogar so eng, dass ich einmal nach NRW gefahren bin um eine große Menge Shirts direkt aus dem Werk abzuholen, denn so waren die Shirts noch am selben Tag da und ich konnte mit dem Drucken weitermachen.
Immer 50-60 Shirts drucken und aufhängen damit sie antrocknen, später noch auf die Transferpresse um den Druck zu fixieren… da habe ich Meter gemacht. Der Front-Druck war dann Gott sei Dank ein DTF Druck, welchen ich zugekauft habe. Ausschneiden, pressen, fertig… allerdings bedeutet zukaufen auch, dass hier die Motive mir immer wieder ausgingen und wenn dann mal genügend Shirts da waren, fehlten die DTF Folien. Was ich sagen will: Es war ganz schön stressig und wild und das nur, weil ich Etsy maßlos unterschätzt habe. Am Ende hat es sich aber gelohnt…
Vielleicht war ich bei dem ganzen Run auch etwas selbst schuld, da ich versehentlich Etsy Ads und Etsy Offsite Ads geschaltet hatte. Das positioniert dein Produkt weiter oben in der Produktsuche und die Offsite Ads spielen deinen Artikel auch bei Google „Kaufen“ aus. Am Ende habe ich dafür 250 Euro ausgegeben. Das war völlig okay.

Mit einem Nettogewinn von ca. 4.750 Euro habe ich jedenfalls nicht gerechnet. Klar, hier muss noch der Betrag der Shirt Rohlinge, und die Farbe und die DTF Folien abgezogen werden, aber das hält sich stark in Grenzen. Immerhin hat der am Ende übrig bleibende Reingewinn maßgeblich die Reise aus meinem letzten Blogbeitrag finanziert. 🙂
Wie geht es weiter?
Für mich steht fest: Etsy wird ein fester Bestandteil meiner Distributionskanäle werden, denn offenbar gibt es hier Nachfrage nach meinen Designs. Im Augenblick bereite ich mich auf die Weihnachtszeit vor, die Umsatzträchtigste Zeit des gesamten Jahres. Ziel ist es, in einem Monat, einen 5-stelligen Betrag bei Etsy zu erwirtschaften, das wäre eine feine Sache. Gemeinsam mit den Lokalen Verkäufen und Amazon, lässt sich so eine sehr (sehr!) lukrative Weihnachtszeit entgegentreten.
Ich freu mich drauf!

