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Travel

Im Land von Eis und Feuer: Ein Kurztrip nach Island

34 Minuten Lesezeit
Ein Road Trip in Island

Vor einigen Tagen war es wieder soweit: Herbstferien! Und wie jedes mal vor den Ferien, stellt man sich die Frage: Was unternehmen wir als Familie? Welche Events wollen wir planen? Ausflüge die wir machen können? Für dieses Jahr hatten wir in den Herbstferien nichts geplant, da noch viel in der Außenanlage anstand und wir eigentlich keine Zeit haben größere Reisen zu unternehmen. Zeitgleich fiel eine Dienstreise in die Ferienzeit, weshalb z.B. sowas wie 10 Tage Mauritius keine Option waren. Wir sind also in die Ferien geschlittert ohne echten Plan, dafür mit viel Arbeit vor der Brust. Allerdings hatten wir dieses Jahr dann doch schon sehr viel geschafft und sind sehr gut vorangekommen. Inzwischen ist unser Garten nicht nur begehbar sondern er entwickelt sich immer mehr zu einer kleinen, privaten Oase. Also könnten wir ja doch einen kleinen Ausflug wagen. So ein 1-2 Tages-Trip vielleicht. Wir überlegten also mit Beginn der Ferien, was wir tun könnten… es war Samstag Mittag. Und dann fiel der Gedanke auf: Island!

Spontanität trifft Abenteuerlust

Island zu bereisen, stand schon eine Weile auf unserer ToDo Liste, allerdings wollten wir das erst viel später unternehmen. Nun muss man dabei aber erwähnen, dass wir auf der ToDo Liste nicht nur „Island bereisen“ stehen haben, sondern „mind. 2x Island bereisen“. Der Grund ist simpel: Island ist in der Sommerzeit eine andere Welt als in der Winterzeit. Während im Sommer die Tage 22-23 Sonnenstunden haben und du so sehr viel sehen und bereisen kannst, sind in der Winterzeit die Tage deutlich (!) kürzer und die Highlands sind nur schwer befahrbar, dafür ist ein vereistes Island nicht nur sehr sexy, sondern auch Polarlichter sind in dieser Zeit möglich. Der Oktober markiert dabei so etwas wie den „Übergang“. Tage, die noch ausreichend Sonnenstunden haben, Wetter welches jedoch kalt und nass ist. Ein Großteil der Straßen ist noch begehbar und die Chance auf Polarlichter beginnt in dieser Zeit.

Zeit hatten wir nicht viel, es war immerhin schon Samstag Mittag als wir auf die Idee kamen und kurzerhand buchten. Zeitgleich hatten wir nur die anstehende Woche Zeit und ich hatte für Montag noch einen wichtigen Kundentermin. Uns blieb also nur Dienstag – Samstag, denn den Sonntag wollten wir uns als „Akklimatisierungstag“ behalten, um „anzukommen“, Wäsche zu waschen und uns wieder Alltags-Ready zu machen. Das Ziel war definitiv kein Hotel zu buchen, denn dies hält dich am Ende zu lokal. Wir wollten flexibel sein. Also haben wir uns ein Wohnmobil gemietet und einen Plan gemacht… der Plan war natürlich recht klassisch: Der Golden Circle war das Ziel mit den spannendsten Punkten auf der Route – denn – wir hatten ja nicht viel Zeit und wollten uns nicht hetzen. Doch während wir am Samstag voller Freude die Reise gebucht haben, fiel uns erst am Abend ein, dass wir gar nicht passend ausgerüstet waren um so eine Island Reise gut antreten zu können. Immerhin braucht es gute Outdoor Kleidung, damit du unterwegs nicht frierst, oder schwitzt, nicht nass wirst und das dich der Wind nicht auskühlt. Dummerweise blieb uns dafür praktisch nur der Sonntag und an Sonntagen haben Geschäfte in der Regel ja geschlossen, wodurch sehr schnell die Idee geboren war, dass wir in die Niederlande fahren um dort schnell passende Klamotten shoppen zu können, doch das war gar nicht notwendig. Die Frau fragte, nicht ganz ernstgemeint, ob es nicht einfach einen Verkaufsoffenen Sonntag in der Nähe geben könnte… und Tatsache. Nur wenige Kilometer von hier gab es einen verkaufsoffenen Sonntag in einer großen Mall, welche auch Decathlon mit einschloss – und Decathlon bietet ja das eine oder andere in Richtung Outdoor. Nicht ganz günstig, aber ohne Trekking-Klamotten in den Flieger zu steigen, war irgendwie auch keine Option.

Das Kleidungsproblem war also keines mehr, weshalb es nun endlich an das Koffer packen gehen konnte – und neben dem Koffer packen, wollte auch die Reise gut geplant werden. Ich muss noch mal wiederholen: Anders als sonst, war es dieses mal keine Pauschalreise. Und vor Ort war ein rumhängen in einem Hotel ebenfalls nicht möglich und erst recht nicht gewollt. Der Golden Circle bietet viele spannende Punkte, welche wir aber zeitlich nicht alle schaffen werden. Deshalb war es wichtig, bereits vorab eine Route zu erstellen, welche uns viele gute Spots bietet mit ausreichend Zeit diese auch „aufsaugen“ zu können, parallel aber immer auch genügend Zeit lässt um weiter fahren zu können ohne das wir am Ende den ganzen Tag im Wohnmobil sitzen. Während ich also meine „Must-See“ Spots recherchierte, half mir im zweiten Step ChatGPT eine passende Reiseroute zu erstellen. Wildcampen ist in Island verboten, wir brauchten also stets einen Campingplatz. Unterwegs war es auch wichtig tanken und einkaufen zu können und wenn nötig, auch mal die Gasflasche zu wechseln. Das alles selbst zu recherchieren und zu planen hätte Unmengen an nicht vorhandener Zeit gekostet. Und um eine Referenz zu meinem vorherigen Blogbeitrag zu finden: Eine künstliche Intelligenz ist eben auch noch für anderes da, als hässliche Flyer und Bildchen zu erstellen. 🙂

Ab ins Kalte, damit wir schwitzen können

Bevor es zum Flieger ging, musste noch geklärt werden, wo ich eigentlich mein Auto abstelle. Ich habe früher gerne das Holiday Parking vom Fraport gebucht, da es günstig war und ich ja dennoch recht einfach zum Flughafen komme, doch in den letzten Jahren bin ich eher zum Terminal Parker geworden. Es ist zwar etwas teurer, aber du bist sofort im Terminal und musst nicht noch auf ein Shuttle warten. Was zum Urlaubsstart noch nicht so wehtut, ist bei der Rückreise umso nerviger, wenn du plötzlich noch anfangen musst auf ein Shuttle zu warten. Der Abflug ging noch vom alten Terminal 1, ein Parkplatz beim Terminal 1 ist also sinnvoll. Zeitgleich wurde für etwas weniger Geld das Parken im Terminal 3 angeboten und da mir klar war, dass der Flughafen eine Skyline bietet, habe ich diesen gebucht. Ein Fehler! Denn obwohl die Skyline ja nun im 2 Minutentakt fährt, ist der Weg vom Parkplatz zur Skyline und dann von der Skyline zum Security Check echt ein Marathon. Ich hatte das Gefühl, man kommt ja nie da an, wo man eigentlich hin will. Für nächstes Jahr habe ich mir jedenfalls wieder vorgenommen, egal wie viel es kostet, da zu parken, wo auch der Flieger später steht.

Geflogen sind wir mit der Lufthansa. Die Lufthansa hat nun seit einigen Jahren einen Self-Service für den Bag-Drop. Ticket scannen, Koffer-Dokumente drucken, alles befestigen und festkleben und dann ab damit auf eine Waage und anschließend folgt der Abtransport mit dem Rollband. Das funktioniert zwar gut, ist aber irgendwie mega langsam und sehr chaotisch organisiert. Das war mit British Airways in z.B. Gatwick deutlich angenehmer. Da geht alles viel schneller und viel strukturierter zu, trotz beobachtetem höherem Aufkommen. Allgemein ist die Lufthansa irgendwie stehen geblieben und die einzige Besonderheit zu einem Low-Budget Flieger ist inzwischen nur noch das kleine Stück Schokolade auf dem Flug. Ansonsten bin ich einfach ein Condor Mensch, doch leider fliegt Condor Island von FFM aus nicht an.

Ansonsten freue ich mich, bei der Lufthansa, stets über deren Internetzugang, welcher bei günstigen Airlines oftmals einfach schlicht nicht angeboten wird. Toll wie die Lufthansa ist, hat sie mir vor Reiseantritt auch einen günstigeren Preis (6 Euro für 4 Mbit/s) angeboten – da habe ich direkt zugeschlagen, denn immerhin kostet es an Board gute 2 Euro mehr. Ich musste jedoch feststellen, dass „FlyNet“ (So schimpft sich das bei der LH) offenbar gar nicht Teil der Flugzeugausrüstung war, denn ein Access Point erscheint auf dem gesamten Flug nie. Jetzt würde ich ja sagen „Na gut, 4 Stunden Flug… da kann man auch auf das Internet verzichten!“ – Problematisch finde ich es allerdings, wenn in der App, direkt im Bezug auf meine Tickets, vor Abflug steht „Buchen Sie jetzt für Ihren Flug noch einen Internetzugang“. Da kaufst du dir also extra im Vorhinein einen Pass, stellst dich darauf ein und kannst das Ding dann nicht mal benutzen – Danke für nichts! Da aber Internet „da oben im Himmel“ immer etwas schwierig ist, war ich natürlich vorbereitet. Games und Musik waren auf iPad als auch iPhone geladen und brachten mich zuverlässig von A nach B.

In Island angekommen, mussten wir uns erst einmal orientieren. Es ist immerhin keine Pauschalreise wo ein Transfer inkludiert wäre. Der Weg zu Indie Campers, die Wohnmobil Vermietung welche für uns das Beste Angebot bereithielt, war eine ganze Ecke vom Flughafen Keflavik entfernt und Taxen vor Ort ziehen dich gerne über den Tisch. Die App „flott.is“ schafft hier Abhilfe, denn es ist praktisch das Isländische Uber. Schnell einen Fahrer gefunden, Preis ist Fix und du kannst dich darauf verlassen, dass später kein „böses Erwachen“ folgt. Wir waren super Zufrieden mit unserem Fahrer, welcher uns noch einige wichtige Tipps und App-Ideen mit an die Hand gab um später gut über die Insel zu kommen. Da der Flug schneller ging als Gedacht, das Gepäck deutlich zügiger als sonst auf dem Gepäckband landete und ein Taxi schnell zur Verfügung stand, war der vereinbarte Abholtermin bei der Wohnmobil Vermietung ein wenig überzogen. Anstatt den Camper um 15 Uhr entgegenzunehmen, waren wir bereits kurz vor 14 Uhr da. Nun gab es eine Reihe Reisender welche ihre Fahrzeuge dort abholten – denn es gibt hier nicht nur Wohnmobile sondern auch normale PKWs mit Dachzelt, Camper Vans, Trailer… eine gute Mischung und von allem viel – was dazu führte, dass wir nicht eher „Abgewickelt“ werden konnten. Das Warten war nur halb so schlimm, da die Sonne schien, der Himmel blau und der Kaffee kostenfrei war. Als wir dann endlich dran kamen, dauerte der gesamte Vorgang ca. eine Stunde. Uns wurde erklärt, wie die Gasflasche bedient wird (anderes Verschlusssystem als hier bei uns), wie wichtige Funktionen im Wohnmobil funktionieren und vorhandene Schäden wurden dokumentiert. Eine wichtige Info, die wir vorab nicht hatten: Bevor du das Wohnmobil in Empfang nehmen kannst, mag Indie Campers eine Stange Geld von dir. Da wir eine Versicherung mit dazu gebucht hatten, sank dieser Wert auf 800 Euro. Wenn die 800 Euro nun dein Reisebudget sind, bist du nun Pleite bzw. falls du die 800 Euro nicht hast, gibts auch kein Wohnmobil. Uns riss das nun kein Loch in die Urlaubskasse, aber es im Vorfeld prominenter zu bewerben wäre definitiv ein Verbesserungsvorschlag für Indie Campers!

Kurz nach der Abholung ging es direkt fünf Hausnummern weiter zu Krónan, welches eine Supermarktkette im Stil von kleinen Edekas darstellt. Die Einkaufswagen sind super klein und nach dem Einkauf lässt du das Teil einfach stehen – irgendwie seltsam zu sehen. Die Auswahl an Lebensmitteln war okay, die Preise allerdings waren sehr verrückt. Eine Packung mit einigen Scheiben „Brotkäse“ (was am Ende dann auch nur Gouda war), kostet dort entspannte 12 Euro. Auch das Brot war mit gut 5 Euro recht teuer. Cola, 2 Liter Flasche, 2,50 Euro war noch okay aber der Rest ging gut ins Geld. Brot, Käse, Salami, Schinken, Butter, 2x Spaghetti plus 3x Fertigsoßen, 3x Fertiggerichte aus der Tüte, ein paar Snacks, Cola und Wasser – Zack, 150 Euro weg. So hatten wir aber wenigstens die erste Ladung trinken und essbares an Board und es konnte endlich Los auf die Piste gehen!

Kaum auf der Straße begann das große Schwitzen… ich fahre seit nun über sieben Jahren elektrisch. Den letzten Verbrenner bin ich 2020 gefahren, und das war Automatik. Jetzt saß ich in einem Wohnmobil, Verbrenner und Schalter. Man sagt immer, das ist wie Fahrradfahren, sowas verlernt man nicht und ja, in gewisser Weise stimmt das auch. Allerdings verändert sich das Muskelgedächtnis. Kein Gefühl mehr für einen Schleifpunkt, keine adaptive Lenkung mehr und allen voran, keine Reku mehr – ich musste plötzlich wieder selber bremsen. Leute, ich sags euch: Verbrenner sind Dinosaurier. Wenn man erst mal eine Weile elektrisch gefahren ist, spürt man sobald man wieder in einem Verbrenner sitzt, wie Altbacken diese Methode des Antriebs wirklich ist. Auch das „Drücken“ des Motors hatte ich ganz vergessen. Also, ich meine, sobald du einen Gang eingelegt hast, treibt dich das Standgas ja an. Sowas gibts bei einem Elektroauto halt nicht. Da bedeutet Beschleunigen, dass du fährst und nicht mehr Beschleunigen, dass du Bremst/stehen bleibst.

Das Wohnmobil in seinem Aufbau hat selbstredend auch einen anderen Schwerpunkt, was dazu führt, dass du permanent das Gefühl hast gleich umzufallen. 😀
Und die Straßen unterstützen dies mit Liebe… Spurrillen, welche so tief sind, dass du denkst, dein fahrbarer Untersatz hängt im Graben fest. Schlaglöcher, so groß und so zahlreich, dass mir dazu die Worte fehlen. Mir sind die „Wackelfahrten“ durch unseren Wohnwagen ja bereits bekannt, aber in einem Wohnmobil ist das noch mal ein ganz anderes Level. Nach einer Weile gewöhnt man sich aber wieder an das Schalten und auch das Gewackel geht irgendwie in Fleisch und Blut über, sodass die Schweißtropfen auf der Stirn mit der Zeit weniger geworden sind. Es war jedenfalls super spannend. 🙂

Das erste Ziel auf der Reise sollte eigentlich der Þingvellir-Nationalpark sein und wenn noch Zeit gewesen wäre, vllt. noch das tauchen in der Silfra-Spalte. Das besondere an den beiden Spots? Im Þingvellir-Nationalpark sieht man eine Art „Riss“. Hier driften die Nordamerikanische Kontinentalplatte und die Eurasische Kontinentalplatte auseinander – und so entsteht eine Art Riss. Es sieht eher wie ein trockener Fluss aus, da mit jedem weiteren Aufreissen, Magma nachrutscht und auskühlt. Diese tektonischen Bewegungen sind übrigens auch der Grund für die hohe Erdbeben und Vulkan Aktivität in Island. Die Silfra-Spalte ist praktisch nichts anderes, nur eben unter Wasser. Das besondere bei dem Tauchgang: Glasklares Wasser! Du siehst gut 100 Meter weit, da das Wasser (vom Gletscher kommend) gute 30 Jahre durch Gestein und Boden gefiltert wird, ehe es in der Silfra-Spalte landet. Hier kannst du dann unter Wasser zwei Gesteinswände berühren: Einer der Wände steht auf der Eurasischen Platte und die andere Wand auf der Nordamerikanischen.

Allerdings hat alles in Summe viel zu viel Zeit in Anspruch genommen, weshalb wir dann als ersten Stop einfach den ersten Campingplatz angesteuert haben. In Island liegt die Zeitzone zwei Stunden zurück und wir waren zusätzlich schon lange wach und hatten viel hinter uns gebracht, sodass wir auch gut ausgelaugt waren. Nach der Ankunft beim Campingplatz wurde dann das Wohnmobil Bettfertig gemacht und die Mädels gingen sofort ins Bett und schliefen binnen weniger Minuten ein. Ich, als alter iPhone Fotograf, hatte dieses mal neben meinem iPhone auch meine gute, alte Sony Alpha 6400 und eine Reihe Objektive dabei. Ich fotografiere eigentlich ausschließlich mit dem iPhone, weil ich es einfach immer dabei habe. Das ProRaw Format erlaubt es mir auch, viel aus der Nachbearbeitung herauszuholen. Die beste Kamera ist einfach die, welche man immer dabei hat, doch sind wir mal ehrlich: Die kleine Linse, der mickrige Sensor… da gehen zu viel Details verloren und vor allem Nachts ist die Fotografie fast nur Software und nicht mehr wirklich echt. Da mir aber der Nachthimmel wichtig war, brauchte es einfach „schweres Gerät“. Während die Mädels also schlummerten, setzte ich mir meine Kamera zusammen, schnappte mir ein Stativ und verschwand nach draußen in die klirrende Kälte. Ein klarer Nachthimmel waren die optimalen Bedingungen, denn an diesem Abend gab es Polarlichter.

Ich habe irgendwas über 80 Fotos gemacht. Die Hälfte davon um die passenden Einstellungen zu finden. Falls es dich auch mal nach Island verschlägt, möchte ich meine Einstellungen mit dir teilen:

18mm Objektiv, mit 2.8er Blende.
Die Sony Alpha 6400 ist keine Vollformat Kamera, sondern APS-C. Aus dem Grund würde ich sogar eher zu einer 11er / 12er Brennweite tendieren, aber die hatte ich halt nicht. In der Nacht ist die 2.8er Blende zwar ausreichend, aber wenn du tiefer gehen kannst, dann tu dies! Es schadet nicht.
Eingestellt hatte ich später einen manuellen Fokus, die Blende auf 2.8, ISO auf 1600 fixiert und mittels Auto-Shutter nach 2 Sekunden auslösen lassen um wackler zu vermeiden. Was ich daraus entwickelt habe, seht ihr hier…

Anschließend ging es dann auch für mich ins Bett, auch wenn ich erst voller Vorfreude ein paar der geschossenen Bilder mittels USB-C Adapter auf mein iPhone laden musste um sie in Lightroom zu bearbeiten, ehe mir dann die Augen zufielen. Ohne groß etwas am ersten Tag erlebt zu haben, war es allein für diesen Anblick schon wert.

Mit heißem Wasser spielt man nicht

Als der nächste Tag aufbrach, war unser Camper bereits mit Leben gefüllt. So ging es uns den gesamten Urlaub über. Zwischen 04:00 – 05:00 Uhr schlugen unsere Augen auf und wir konnten mit dem Frühstück beginnen. Das frühe Wachsein gab uns einen enormen Vorteil: Alle bekannten und guten Spots waren wenig besucht! So auch an diesem Tag. Nach dem Frühstück sollte es erst mal zu einer Tankstelle gehen um den Tank randvoll zu machen, denn immerhin hatten wir in den kommenden Tagen noch viele Kilometer vor uns. Eine Tankstelle zu finden war nicht schwer, den Zugang dort hin umso mehr. Das Navi schickte uns durch einen kurzen Waldweg und wollte uns eine Steile Auffahrt hochjagen, welche das Wohnmobil mit sehr großer Wahrscheinlichkeit zum kippen gebracht hätte. Wir suchten also etwas bis wir eine geeignetere Zufahrt fanden und konnten anschließend den guten Diesel in die Tanks ballern. Als E-Auto Fahrer hat man ja gar kein Gefühl für die Preise an den Zapfsäulen, aber ehrlich.. ich verstehe nicht, wie man bei diesen Preisen nicht elektrisch fahren will. Ich zahle an der Ladesäule für eine volle Batterie zwischen 15-20 Euro. Klar, ich komme damit nur noch 300-350 Kilometer weit, aber selbst wenn ich für 1000 km dreimal aufladen muss, bin ich immer noch deutlich billiger unterwegs. Für 70% Tank zahlte ich gut 160 Euro und es hat mich fast umgehauen.

Nach dem tanken fiel uns auf, dass die Tankstelle exakt neben dem Parkplatz stand, zu dem wir wollten. Der Camper sollte in Ruhe stehen, während wir die Beine in die Hand nahmen um Wandern zu gehen. Wandern, durch ein ziemlich heißes Gebiet… überall Wasserdampf, brodelnde Wasserpfützen und bedingt durch die Hitze auch Geysire. Strokkur, einer der bekanntesten Geysire, lag auf unserem Weg, welchen wir auch aktiv ansteuerten. Was haben wir uns beim ersten mal erschrocken, als das Wasserloch „explodierte“ und kochendes Wasser in die Höhe schoss. Es war völlig klar, dass wir dort nun ein wenig verharren werden um den nächsten „Ausbruch“ richtig miterleben zu können. In Summe standen wir da irgendwas um die 30-45 Minuten und haben uns ein paar mehr als nur einen Ausbruch angesehen, denn für das passende Foto, musste ich erst einmal ein Setup schaffen welches gut passt. Mit einem Handstativ konnte ich die Kamera fixieren und mit dem Weitwinkel-Objektiv mit einer Mehrfachaufnahme auch die „Explosion“ gut festhalten, denn so ein Ausbruch kündigt sich quasi an. Anfangs siehst du wie das Wasser zu „wabern“ beginnt, einfach weil es so heiß ist… dann entwickelt sich relativ schnell eine Blase und unmittelbar danach erfolgt dann auch schon der Schuss in die Höhe. Spektakulär! Natürlich war die Umgebung aber auch sehr spannend, denn überall um dich herum blubberten kleinere Wasserlöcher und qualmten nicht schlecht.

Nach irgendwas um die 1-1,5 Stunden ging es dann zurück zum Wohnmobil und fuhren wenige Kilometer weiter zum Gullfoss, einem riesigen Wasserfall. Es gab hier zwei Plattformen – eine hochgelegene, sodass du bequem von oben auf den Wasserfall schauen konntest und eine Plattform auf Höhe der Wasserfallmitte. Der Weg zur Mitte führte über viele, viele Treppen welche wir nicht gehen konnten, da unsere Kleine Probleme mit einem sich stark knickenden Knie hat, diese Schmerzen wollten wir ihr natürlich ersparen. Wir entschieden uns also für die obere Plattform und die Aussicht war grandios! Um einen top Blick auf die Wassermassen zu bekommen, kannst du an der oberen Plattform über ein Gitter laufen, durch welches du herunter gucken kannst. Eine gute Sache, wenn man solch Höhenangst wie ich hat. 😀 Das hielt mich aber nicht davon ab, dennoch ein paar gute Aufnahmen machen zu können. Nachdem wir die Landschaft und Umgebung gut aufgesaugt hatten, ging es zurück in Richtung Parkplatz – Dort kamen dann auch schon all die anderen Touristen, welche die Isländischen Highlights mit einem Guide erkunden… und wieder war unser Timing einfach perfekt. Am Gullfoss gab es auch noch einen kleinen Souvenir Shop und eine Art Theke, wo wir uns einen isländischen Gulasch-Eintopf nicht entgehen lassen konnten. Super lecker und das bei sehr angenehmer Atmosphäre!

Badeurlaub in Island

Das isländische Wetter ist sehr wechselhaft. Eben hattest du noch Sonnenschein und kurz darauf zieht Wind auf und es beginnt zu regnen. Am Mittag sind es noch 7 Grad und zwei Stunden später bewegt sich die Temperatur nahe der 0 Grad Grenze. Wer also Island bereist, sollte sich darüber im klaren sein, dass es kein Badeurlaub wird… oder etwa doch?

Ich sagte ja schon, dass überall auf der Insel heiße Wasserlöcher kochen und an manchen Quellen ist das Wasser etwas kühler bzw. ausreichend warm und kalt um sich die Kleider vom Laib zu reißen und in das Wasser zu springen. Die bekannteste Wasserquelle dafür ist sicher die Blue Lagoon, gegen welche wir uns aktiv entschieden haben. Es ist dort ein wenig wie in einem Freibad, nur sündhaft teuer und zu Stoßzeiten auch stark überlaufen. Wir entschieden uns also kurzfristig für die Secret Lagoon – sie war eh die cleverere Wahl, da sie auf unserem Weg lag. Die Secret Lagoon ist deutlich kleiner und zu dritt liegt der Eintrittspreis auch bei ca. 75 Euro. Damit kommt gerade mal eine Person in die Blue Lagoon. Anfangs schaust du dir ein Video an um die Verhaltensregeln zu lernen, denn am Rande der Secret Lagoon liegen kochende Quellen, welche dein Leben sehr schnell beenden können, da das Wasser hier ca. 100 Grad beträgt. Der schwimmbare Bereich bewegt sich zwischen 40-42 Grad mit Lava Kies am Boden. Super angenehm bei kaltem Wetter und um dich herum steigt überall Wasserdampf auf. Das wirkt sehr außerirdisch aber auch sehr entspannend – Einfach sehr besonders und das Gefühl lässt sich nicht beschreiben, das muss man einfach selbst erlebt haben.

Ein bisschen schwierig war der Zugang zur Quelle schon, denn ins Wasser darfst du nur, wenn du dich zuvor Splitterfasernackt in einer Mannschaftsdusche ordentlich gesäubert hast. Keine Badeklamotten erlaubt. Für uns Erwachsene ist das natürlich kein schwerer Schritt aber für einen Teenie, bei dem das Schamgefühl inzwischen voll kickt, kostet dieser Akt viel Überwindung. Sie bereute es aber keine Sekunde, es hinter sich gebracht zu haben und das verlassen der Quelle und das anschließende erneute nackte Duschen ging dann schon etwas leichter. Ohne zu duschen in den Camper zu steigen war indes keine Option, denn die Wasserquellen sind sehr Schwefelhaltig, was du sehr gut riechen kannst. Zwar hatten wir im Wohnmobil eine Dusche mit Trumatherme, doch duschen im Wohnmobil kann sehr beklemmend sein, da der Platz selbstredend sehr stark beschränkt ist.

Abschließend bleibt zu sagen, dass das Baden in Island, unter freiem Himmel, ein absolutes Muss ist! Da kommt echtes Spa-Feeling auf!

Bei Wind und Wetter, bleibst du besser stehen

Nach dem Baden ging es dann in Richtung Campingplatz. Gut war, dass es dort in unmittelbarer Nähe einen Krónan gab und wir unseren Reiseproviant auffrischen konnten. Schlecht war hingegen der Campingplatz an sich. Es war die Hvolsvöllur Camp Site, welche praktisch ausschließlich eine Wiese mit Strom war. Klar, hier standen auch Toiletten und es gab eine Dusche, aber eine Dusche in einem Container, welche aussah als wäre sie das letzte mal zur Jahrtausendwende geputzt worden, war wenig ansprechend. Gott sei Dank hatten wir in der Secret Lagoon bereits geduscht. Da waren nicht einmal Menschen um sich anzumelden, es lief alles mittels QR Codes und Kameras haben überprüft ob deine Angaben stimmten. Gut war, dass wir nach dem entleeren der Toilettenkassette auch unser Frischwasser wieder auffüllen konnten und damit waren alle Features des Campingplatzes auch schon ausgereizt. Okay, was braucht man eigentlich mehr? Vor allem nur um zu schlafen und um den Camper wieder zu „resetten“, doch dieses mal sollten wir nicht nur zum Schlafen dort angekommen sein.

Am darauffolgenden Tag war es windig, um nicht zu sagen stürmisch. Schon als wir noch in Deutschland waren hieß es lt. Wetter App, dass es an diesem Tage stürmen könnte. Der Wind nahm von Morgens bis 13 Uhr stark zu und flachte dann Stück für Stück bis 15 Uhr ab. Ein Fahren mit dem Wohnmobil war bis 15 Uhr nahezu undenkbar – zu groß das Risiko, dass wir einfach umkippen. Davor wurde explizit gewarnt! Es war wirklich so stürmisch, dasds wir stellenweise zu zweit die Tür vom Wohnmobil festhalten mussten, falls wer ausstieg. Beim Weg auf die Toilette konnte eine Sturmböe dafür sorgen, dass du beim Laufen plötzlich 1-2 Schritte zurückgegangen bist. Wir haben also den halben Tag damit verbracht an unseren Smartphones Spiele zu spielen… mal alleine, mal gemeinsam als Familie. Es war also so etwas wie eine gute gemeinsame Zeit mit Erholungs- bzw. Regenerationsphase. Nachdem der Wind merklich abgenommen hatte, blieb nur noch Regen, doch der sollte uns nun nicht mehr aufhalten. Wir machten uns also (langsam und vorsichtig) auf den Weg zum Seljalandsfoss, einen beeindruckenden Wasserfall. Eigentlich waren für den Tag so einige Wasserfälle geplant, doch mussten wir weitestgehend alles canceln. Zu viel Zeit hatten wir durch das Wetter verloren und da wir bei Seljalandsfoss noch etwas umhergelaufen sind, haben wir hier auch gut Zeit gelassen. Das war uns auch bei jedem Spot den wir angefahren haben wichtig: Kein hetzen. Sich die Zeit nehmen und alles aufsaugen. Wirken lassen. Dieses hin und her rennen, schnell ein Selfie und zurück, da sind wir einfach nicht die Typen für.

Seljalandsfoss ist eine echte Gewalt und bietet ein einzigartiges Erlebnis, indem man den Wasserfall „umlaufen“ kann. Du kannst dich praktisch direkt hinter den Wasserfall begeben… Aber Vorsicht: Nass und rutschig. Ohne gute Wasserabweisende Jacke mit hoher Wassersäule, wird man hier definitiv nass. Schlecht für meine Kamera, denn die steht so gar nicht auf Wasser, da blieb mir kurzerhand nichts anderes übrig, als das gute Stück in eine Mülltüte einzuwickeln. Es gibt einen Spot, direkt vor dem Wasserfall, wo es sich gut knipsen lässt. Hier wird man jedoch sehr schnell, sehr nass. Mein Foto Tipp: In Position bringen und dann mit einem Weitwinkel, vertikal, von unten nach oben fotografieren. So wirkt der Mensch groß, der Wasserfall ist in Gänze drauf und du es wirkt spektakulär. Wer ohne DSLR o.ä. Kamera unterwegs ist, bzw. wer kein Weitwinkel Objektiv besitzt, kann hier auch mit einem Smartphone arbeiten. Beim iPhone z.B. einfach auf 0.5x Zoom stellen. Besser ist noch das iPhone Pro, hier unbedingt vorher umstellen, dass ihr im Format Pro Raw fotografieren wollt. Ihr könnt dann anschließend in z.B. Adobe Lightroom, die Bilder deutlich stärker nachbearbeiten. S-Kurve bei der Helligkeit, Kontrast hoch, Struktur etwas runter, tiefen aufhellen, weiß runterregeln, kleine Vignette mit Mittelkreis und am Ende noch die Mitteltöne leicht bläulich und die Tiefen leicht orange, gelblich, grün… da muss man mal probieren. Nicht vergessen den Dunst zu entfernen und die Klarheit hochzudrehen. Dann wirkt das Ganze sehr imposant.

Wie immer, hatten wir mit dem Besucheransturm relativ viel Glück, allerdings war hier das erste mal schon etwas mehr los, was sicher daran lag, dass wir erst so spät unterwegs waren. Besonders spannend wurde es aber bei der Abfahrt, denn obwohl der Wind sich beruhigt hatte, merkte man an der Stelle wo wir geparkt hatten nichts davon. Hier stürmte es sehr ordentlich. Als wir losfuhren und auf einer kleinen runden Fläche drehen wollten, erwischte uns eine Sturmböe direkt. Das Wohnmobil schaukelte und bewegte sich fast von allein. Beim Rückwärtsfahren drückte der Sturm uns dennoch gerade aus – an der Stelle dachten wir kurz, dass uns der Wind in einen Graben schieben würde, was Gott sei Dank nicht passiert ist. Nachdem wir uns aus der Ecke herausgeschlagen haben, ging es dann wieder mit der Windstärke… lediglich der Regen war noch etwas nervig und beeinträchtigte die Sicht.

An der Stelle möchte ich allen Island Reisenden folgende App empfehlen: Færð & Veður

Die App zeigt euch, im 10-15 Minuten Takt, Wetterberichte und Straßeneigenschaften. Ihr wisst mit einem Blick ob die Straßen befahrbar oder gesperrt sind… Auch ob die Straße nass und schmierig oder vereist ist, und auch gefährliche Windereignisse werden dort gezeigt. Ihr könnt auch an verschiedenen Stellen der Insel auf Kameras zugreifen um die Gegebenheiten selbst zu verfolgen. Die App ist wirklich Gold wert, wenn du die Insel auf eigene Faust erkunden möchtest.

Unser letzter Spot an diesem Tag führte viele Kilometer weiter in den Süden, zu unserem Campingplatz. Mehr passierte an diesem Tag nicht mehr. Wobei… so ganz stimmt das nicht. Aber der Reihe nach!

Ziel war der Ort Vík í Mýrdal, oder kurz „Vik“. Der Campingplatz hier bietet einige Plätze mit Strom, Duschen, sauberen Toiletten, die Option die Toilettenkassette zu entleeren, sowie das angefallene Grauwasser loszuwerden. Außerdem gibt es einen beheizten Gemeinschaftsraum mit Küchenutensilien. Ein kleiner Herd, eine Mikrowelle, Wasserkocher aber auch die Option sein Geschirr spülen zu können, sind hier gegeben. Fußläufig ca. 10 Minuten entfernt, bietet Vik dann auch die Option in einem Krónan einzukaufen, was wir dieses mal nicht mussten und daher nicht in Anspruch genommen haben. Auch eine Tankstelle und Ladesäulen finden sich hier. Kulinarisch hat uns der Ort überzeugt, da es direkt drei Möglichkeiten gab – was wir auf der gesamten Reise so nicht erlebt haben. Ein kleines asiatisches Restaurant, eine Burger-Bude und eine Pizzeria. Wir haben uns für letzteres entschieden, da die Pizza hier mit schwarzem Teig gebacken wird. Was zunächst so aussieht, als wäre die Pizza verbrannt, entpuppt sich nach dem ersten Bissen zu einem sehr saftigen Teig mit sehr guten Zutaten. Sie schmeckt wirklich herausragend und – für mich – leckerer, als alles was ich hier in meiner Umgebung an Pizza kaufen kann. Die Portionen waren auch üppig, sodass niemand hungrig den Laden verlassen musste. Die Desserts sahen jedoch besser aus, als sie geschmeckt haben. Es war okay, aber eher flach im Geschmack. Alles in allem aber super lecker und ein Besuch wert!

Nachdem wir gut gespeist hatten, liefen wir bei mäßigem Regen zurück zum Campingplatz und verkrochen uns in unsere Betten. Der nächste Tag war praktisch der letzte Tag welchen wir in Gänze zur Verfügung hatten und den wollten wir nutzen, um uns die Hauptstadt von Island, Reykjavík, etwas intensiver anschauen zu können. Da wir dafür den gesamten Weg wieder zurückfahren mussten, bedeutete es für uns früh aufzustehen und spätestens bei ersten Sonnenstrahlen wieder auf der Piste zu sein.

Vom dunkel ins bunte

Am nächsten Morgen gehörten wir wieder einmal zu den ersten, welche auf dem Campingplatz umherliefen. Wir nutzten noch mal die Sanitäranlagen und ich ging noch mal um die Ecken um die Landschaft einzufangen. Wunderschön!

Wir sprangen in den Camper und fuhren los, doch ehe es strikt Richtung Reykjavík fuhren, machten wir noch mal einen kleinen Abstecher… einen Abstecher nach Reynisfjara an den Black Beach.

Das Besondere am Black Beach steckt schon in seinem Namen: Hier gibt es keinen hell-orangenen oder gar weißen Sandstrand, hier ist es schwarz. Vulkangestein welches stark durch Naturgewalten zermahlen worden ist, ist von der Haptik und auch optisch von normalem Sand kaum zu unterscheiden. Nur weiter vorne am Meer kommen dann die größeren Steine deutlich zum Vorschein. Es ist ein unverwechselbares Bild… ein schwarzer Strand, an einem Meer in dem man besser nicht baden geht, da „die See hier sehr rau ist!“. Die Wellen peitschen an den Strand mit absoluter Gewalt – dem Meer den Rücken zuzudrehen wird im Vorfeld deutlich von abgeraten, da es hier sogenannte „Sneaker Waves“ gibt. Sneaker Waves sind praktisch Wellen, welche unvorhersehbar und plötzlich deutlich weiter kommen, als alles was man erahnt hätte. Auch wir erlebten 1-2 solcher Wellen. Ich stand mit meiner Tochter z.B. mind. 10 große Schritte vom Wellentreiben bzw. vom Wasser entfernt und machten Fotos, als wie aus dem Nichts eine Welle kam und loslaufen mussten damit sie uns nicht berührte. Das war in diesem Fall wenig gefährlich, da die Welle uns nur noch als minimalen Ausläufer berührte, doch zeigte es eindrücklich wie schnell und wie weit das Meer hier in den Strand reicht.

Die Aussicht bot auch neben dem schwarzen Strand eine ganze Menge. Möwen, welche über einem Felsen kreisten oder einen Höhleneingang, der sehr imposant auf dich wirkte. Etwas außerhalb, weiter draußen im Meer, ragte Gestein in die Höhe. Das einzige was hier fehlte war ein Piratenschiff, denn dann wäre die Hollywood-gleiche Kulisse komplett gewesen. In der Ferne konnten wir den Hauch eines Wales erkennen… seine Schwanzflosse und wie sie kurz aus dem Wasser ragte um wieder abzutauchen. Zu dieser Zeit sind Walsichtungen noch gerade so möglich, ehe die große Winterwanderung ansteht. Das wir eine Flosse sehen konnten, war pures Glück. Eine Wal-Tour verspricht da mehr, aber das stand für dieses mal nicht auf der ToDo Liste. Anschließend ging es von der Toilette, in den Camper und von da aus auf direktem Wege nach Reykjavik.

Die Fahrt nach Reykjavik war wirklich grandios. Zuvor bei schlechtem Wetter war die Sicht zeitweise getrübt, aber hier hatten wir nun klare Sicht und trockenes Wetter. Du fährst über die Straße, mitten im Freien, ganz allein. Neben dir Felswände, an denen überall Wasserfälle zu sehen sind. Auf dem Weg dahin streift der Blick eine Steinlandschaft, die seinesgleichen sucht, während auf der anderen Seite das Meer rauscht. Die Atmosphäre ist einmalig und die Schönheit der Natur herausragend. Trotzdem hieß es heute: Ab in die Stadt!

Als wir am Campingplatz in Reykjavik ankamen, waren wir etwas entsetzt, wie unordentlich hier alles war. Die Toilettenkabinen sind sehr eng, das selbe gilt für die Duschen. Mülltonnen, bei denen sich der Deckel schon nicht mehr schließen ließ. Zum Abwaschen von Geschirr gab es lediglich, Outdoor, Kaltwasser. Bei 0 Grad macht das Abwaschen hier richtig Spaß! Bevor wir den Tag darauf das Wohnmobil abgeben konnten, war es Voraussetzung, dass wir die Toilette und das Grauwasser leeren. Diese Optionen bot uns der Campingplatz nicht direkt, denn eine passende Station gab es nur in 5-6 Fahrminuten weiter abseits. Normalerweise nutzen wir die Toiletten am Campingplatz, aber vor allem morgens ist der Weg auf die Camper-Toilette deutlich bequemer. Das fand ich nun nicht sonderlich gut, dass es zwar beworben wird, aber die Station soweit weg war, dass ein Hinfahren keine Option darstellte. Wir erledigten das einfach den nächsten Morgen, denn jetzt sollte es erst mal in die Stadt gehen.

Mittels App buchten wir uns Bustickets, welche uns binnen 15 Minuten in die Stadtmitte brachten. Ein Highlight, welches wir online immer wieder gesehen haben, war die „Regenbogen Straße“ welche wir als erstes ansteuerten. Hier ist praktisch eine Straße in Regenbogenfarben bemalt, und wenn man an ihr hochschaut, dann schaut man mit direktem Blick auf die Kirche Hallgrímskirkja. Entstanden ist das Ganze durch die LGBTQIA+ Bewegungen und weil es bei den Isländern so gut ankam, ist es geblieben. Die Fußgängerzone bietet aber weitaus mehr, vor allem Souvenirläden und Restaurants. Wir schlenderten ein wenig durch die Läden und kauften uns Trolle (da Island, Gesteinsbedingt, das Land der Trolle ist) und Salz… Lava Salz… welches eigentlich nur Meersalz mit Aktivkohle ist, aber als Geschenk ein Highlight, da das Salz schwarz ist. Frau und Kind wollten unbedingt Fish ´n Chips essen, sodass wir uns kurzerhand in einen kleinen Laden um die Ecke verirrten. Neben Fish ´n Chips gab es auch noch eine Hummersuppe und ich verkrümelte mich derweil hinter einem „Isländischen Wikinger Fleisch-Eintopf“. Fisch ist einfach nicht mein Ding. Wir haben noch ein wenig die Zeit genossen, ehe wir wieder zurückschlenderten. Die Aussicht von verschiedenen Punkten der Stadt, direkt aufs Meer, wirkt irgendwie surreal. Ich glaube, im Winter und wenn es so richtig kräftig geschneit hat, ist Reykjavik besonders schön. Wir verließen die Stadtmitte dann vorzeitig um die letzten Stunden damit zu füllen, den Camper auf Vordermann zu bringen, Klamotten zu packen und uns einfach Abflugbereit für den Folgetag zu machen. Die Zeit hätte für nichts Größeres mehr gereicht, weshalb es die klügste Entscheidung war.

Auf Wiedersehen…
denn wir werden uns wieder sehen.

Morgens, wie immer, mit den Hühnern aus dem Bett gestolpert, ging es direkt in Richtung Abwasserstation für den Camper in welche ich erst einmal falsch herum hereingefahren bin. Die Toilettenkasette zu entleeren und durchzuspülen ging noch ganz fix, das Ablassen des Grauwassers zog sich dann aber eine ganze Weile. Ich wollte mich nicht in das Wohnmobil setzen, weil ich dann ja gar nicht sehe, wenn es fertig ist, aber ich hatte auch nur ein T-Shirt an und es war echt unglaublich frisch um nicht zu sagen „SCHWEINEKALT“! Nach einer guten Viertelstunde konnten wir dann aber den Weg in Richtung Keflavik auf uns nehmen um den Camper zurückzugeben. Als wir dort ankamen, war es ca. 07.30 Uhr, die Abgabe selbst hatte ich für 11 Uhr gebucht, aber das stellte kein Problem da. Der Mitarbeiter „Oz“ prüfte den Camper durch, während wir uns mit einem Kaffee wärmen konnten. Nach ungefähr 20 Minuten war die Überprüfung auch abgeschlossen und wir konnten uns ein Taxi rufen um dann an den Flughafen gebracht zu werden… und dann wurde es erst einmal langweilig.

Da wir nun um 08:00 Uhr praktisch bei Indie Campers fertig waren anstatt um 11:30 Uhr, war natürlich auch noch kein Check-In geöffnet bzw. kein BagDrop, welcher erst um 11 Uhr öffnete. Wir haben also einige Stunden damit verbracht, Acai Bowle und Zimtschnecken zu essen, ehe wir das Gepäck abgeben konnten. Der anschließende Sicherheitscheck ging recht fix, auch wenn jedes einzelne Handgepäck von uns zur Nachprüfung musste. Es war einfach schlicht niemand mit uns beim Sicherheitscheck. Der Flughafen ist so klein, dass dort „nach und nach“, mit Luft dazwischen, die Passagiere abgefertigt werden, was sich sehr erfrischend anfühlte. Man hätte auch noch einen SpeedyPass buchen können um den Sicherheitscheck exklusiv zu bekommen, aber aufgrund dessen dass wir die ersten und erst mal einzigen Passagiere für den Flug waren, fühlte es sich so an wie ein VIP Pass. 🙂

Nach dem Security Check landet man dann, wie bei so ziemlich jedem Airport, im Duty Free. Auffällig war hier, dass es nirgends Zigaretten zu kaufen gab, was sicher am Land liegt. Island hat eine verschwindend geringe Raucherquote und obendrein sind die Zigaretten auch urig teuer. Ich hielt mich dann lieber im Elektronik-Store auf und schaute mir das iPhone 18 Pro Max an, da ich dieses Jahr evtl. noch ein Upgrade plane. Ich befinde mich aktuell einige iPhone Generationen hinterher, was schlicht daran liegt, dass die Updates bisher sehr spärlich ausgefallen sind und der Investor von über 1000 Euro nur dazu führen würde ein nahezu identisches Gerät zu erhalten. Gut, die Vapor Chamber wie sie schon das 17er bekommen hat, finde ich sehr spannend, denn gerade längere Lightroom Sessions oder das ausgiebige kicken von FIFA ähhh… FC Mobile, lässt mein jetziges iPhone ganz schön glühen. Das hat auch mein Akku in all der Zeit sehr oft spüren müssen und ist demnach schon gut dezimiert. Und die variable Blende ist für mich natürlich das absolute Highlight. Nein, es ersetzt immer noch keine vollwertige Kamera, aber auch auf die Gefahr hin dass ich mich wiederhole: Die Beste Kamera ist die, welche du immer dabei hast – und wenn ich bei eben dieser Kamera noch besser werde und mehr Möglichkeiten erhalte, dann freue ich mich. Auf der anderen Seite steht das iPhone Duo… endlich mal was Neues, Spannendes. Aber um ehrlich zu sein, weiß ich nicht ob ich den Formfaktor mag bzw. ob ich mit ihm im Alltag klar kommen könnte. Außerdem gibt es viele Kompromisse. Zu viele. Allein die fehlende ProRaw Fotografie ist eigentlich ein Totschlagargument. Naja, vielleicht warte ich auch auf das iPhone 20.

Ich schweife ab…. nach langer Wartezeit ging es dann endlich mit dem Flieger in Richtung Heimat – sogar mit Internet Access. Der Heimweg dauerte dann doch noch etwas, denn das Auto hatten wir, wie eingangs erwähnt, im Terminal 3 geparkt. Der Marathon dorthin kostete Zeit, genau so wie das Warten auf das Gepäck. Die Heimreise startete mit einem kurzen Stop an einer Ladesäule (Der SuC am Squaire) und folgte anschließend einer kurzen Strecke auf der A5, ehe wir in einen Stau gerieten. Fahrbahnverengung. Von 4 Spuren auf sage und schreibe eine Spur bei gleichzeitiger Auffahrt. Katastrophe, aber auch das haben wir mit viel Spaß gemeistert und sind anschließend noch beim großen goldenen „M“ etwas essen gegangen. Als wir dann endlich Zuhause ankamen, waren wir erleichtert… und um viele wunderschöne Momente reicher, welche wir sicher niemals vergessen werden.

Island hat viel mehr zu bieten als wir in den wenigen Tagen erkunden konnten, deshalb steht für uns fest: Irgendwann kommen wir wieder – und dann darf sich nicht nur der südliche Teil der Insel warm anziehen. 😉